Der Tagesspiegel berichtet über INSPO-Planungen in Berlin

 

Pankow will „innovative“ Sportstätten. Laut offizieller Analyse fehlen dem Bezirk rund 12 Prozent Sporthallen und sogar 25 Prozent offene Sportplätze. Doch die Flächen sind knapp. Deshalb geht der Bezirk nun neue Wege: Er holt sich wissenschaftliche Hilfe. So will Pankow die knappen Ressourcen bei der Fortschreibung des Sportentwicklungsplans (SEP) durch „innovative Lösungen“ besser ausnutzen, wie der zuständige Bezirksstadtrat Torsten Kühne (CDU) sagt. Die Sportstätten sollen dabei an die „konkreten Bedürfnisse“ der Bevölkerung angepasst werden.

9000 zufällig ausgewählte Pankower bekommen deshalb einen Fragebogen zu ihrem Sport- und Bewegungsverhalten. Die Antworten lässt das Bezirksamt durch das Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam wissenschaftlich analysieren. Projektleiter Michael Barsuhn vom INSPO will durch die zufällige Befragung vor allem dem Umstand Rechnung tragen, dass immer mehr Menschen unorganisiert Sport treiben – er spricht von rund 60 Prozent, die zum Beispiel im Park joggen oder Rad fahren. „Deshalb müssen Stadtentwicklung und Sport zusammengedacht werden.“

Dabei sollen nicht nur neue Standorte gesucht, sondern auch die rund 150 existierenden Sportanlagen im Bezirk durch die INSPO-Fachleute auf ihr Entwicklungspotenzial überprüft werden. Neben Bürgern und klassischen Sportvereinen sollen auch Schulen, Kitas, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen oder Familien- und Nachbarschaftszentren Nutzungswünsche äußern dürfen. Dafür gibt es eine parallele Online-Befragung. Auf dieser Datenbasis soll das INSPO wissenschaftliche Handlungsempfehlungen für den Bezirk erarbeiten. Die wiederum sollen anschließend final in öffentlichen Workshops von Politikern, Experten und BürgerInnen diskutiert werden. Ende 2019 sollen schließlich der Sportentwicklungsplan aufgestellt und Baumaßnahmen in der Investitionsplanung angemeldet werden.

Und wie könnten nun die ominösen „innovativen Lösungen“ aussehen, die auch Barsuhn angesichts des Flächenmangels in Pankow für notwendig hält? Kühne schwebt etwa die Überdachung von Sportfeldern „mit leichten Aufbauten“ vor, die eine fast ganzjährige Nutzung ermögliche. Barsuhn verweist auf Lübeck. Dort werde gerade „ein abgewrackter Sportplatz saniert und drumherum ein Areal mit verschiedene Belägen und Geräten zur Bewegungsanregung geschaffen“. So entstehe auf kleiner Fläche eine Art Sportpark – ein Bürgersportpark quasi.

 

Tagesspiegel vom 20.09.2018, Christian Hönicke

Quelle/ URL: https://leute.tagesspiegel.de/pankow/sportler/2018/09/20/56785/