Greifswald: Trimm-dich-Parcours und Scooterpark

Die Hansestadt erarbeitet derzeit gemeinsam mit Wissenschaftlern eine neue Sportentwicklungskonzeption für Greifswald. Viele Aktive bewegt das, deshalb beteiligen sie sich an dem Prozess. 

Greifswald. Bewegungsinseln am Ryck, Trimm-dich-Geräte im Stadtpark oder ein Hindernis-Parcours für Scooter. Die Greifswalder sind erfinderisch, wenn es um Visionen für eine sportliche Stadt geht. Rund 60 Aktive ließen sich deshalb die Chance nicht entgehen, in einem öffentlichen Forum mit Wissenschaftlern und Vertretern der Stadt sportliche Potentiale, aber auch Wünsche zu diskutieren.

Hintergrund: Die Hansestadt erarbeitet derzeit gemeinsam mit dem Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam Handlungsempfehlungen für die nächsten zehn Jahre (die OZ berichtete). Nach einer Analyse vorhandener Sportanlagen und einer Bevölkerungsbefragung sollten jetzt weitere Ideen zusammengetragen werden.

Fakt ist: Greifswald ist schon heute ein Ort des Sports. Mit über 13000 in 78 Vereinen organisierten Menschen nimmt die Stadt landesweit einen Spitzenplatz ein. Doch nichts ist so gut, als dass es nicht besser werden kann. Zwar führten 81 Prozent der 1555 Umfrageteilnehmer ihre Gesundheit ins Feld, als es um die Frage ging, weshalb sie ihre Turnschuhe schnüren. Allerdings gehe der Wille, dem Körper etwas Gutes zu tun, noch nicht mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation konform, so Projektleiter Prof. Michael Barsuhn. „Demnach müssen wir mindestens 150 Minuten pro Woche moderat schwitzen, soll sich die Aktivität tatsächlich positiv auf die Fitness auswirken“, sagt er. Heißt: Greifswald täte gut daran, mehr Möglichkeiten für Aktive zu schaffen und Vorhandenes auszubauen.

Genau das war Thema eines von drei Workshops, der sich mit den Sportstätten befasste. „Die Hallen reichen nicht aus, um alle Bedürfnisse zu befriedigen“, fasste André Hollandt von der HSG Uni die Meinung zusammen. Zudem seien viele Hallen verpachtet, wiesen einen hohen Sanierungsstau auf. Die Vereine gäben bei der Bewirtschaftung ihr Bestes. „Doch Fakt ist auch, die Stadt darf sich als Eigentümerin nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagt er. Zudem regte die Gruppe an, die frühere Praxis der Hallenwarte wieder aufleben zu lassen. Vertrauen sei gut, Kontrolle besser. Zumal es damit auch einen Überblick gäbe, wie gut die Hallen tatsächlich ausgelastet sind. Denn eines der Hauptprobleme sei die Vergabe von Hallenzeiten. Workshopteilnehmer sehen die Lösung unter anderem in der Erarbeitung von Kriterien, um mehr Transparenz in die Vergabe zu bringen. HSG-Vorsitzender Jürgen Baumann gab außerdem zu bedenken, dass es großen Bedarf an Ehrenamtlichen in den Vereinen gebe und finanzielle Mittel für Hauptamtliche oft nicht ausreichten. „Eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien und Präsentationen der Vereine im Stadtblatt könnten helfen“, nennt er Beispiele.

Was beim Forum auch deutlich wurde: Wenn von Sport die Rede ist, geht es bei weitem nicht nur um Vereine, Hallen und Plätze. Ein Gros der Aktiven sei nicht organisiert, nutze für seinen Bewegungsdrang Parkanlagen, Straßen und Radwege. Daher die Idee: „Wir sollten die schon bestehenden Bewegungsmagistralen, wie die Pappelallee, den Wall bis hin zum Ryck für sportlich Aktive weiter ausbauen“, schlägt Dirk-Carsten Mahlitz vom Handballclub Vorpommern vor. „Denkbar sind kleine Bewegungsinseln mit Mehrgenerationengeräte“, nennt Masterstudent Christoph Rinne ein Beispiel. Auch die Beschilderung dieser Magistralen mit Kilometerangaben für Jogger könnten die Attraktivität steigern.

Mehr Attraktivität für den Stadtpark indes wünschte sich eine weitere Gruppe. Rodelberg und Discgolfanlage seien okay, aber der Park besitze so viel mehr Potenzial. „Eine Boulderwand für Kletterfreunde, ein Themenspielplatz mit Mehrgenerationengeräten und multifunktionale Sitzmöbel könnten die Aufenthaltsqualität verbessern“, so Nadine Hoffmann. Als städtische Mitarbeiterin im Sachgebiet Sportentwicklung ist sie federführend im Planungsprozess.

Bei all dem sollten die Bedürfnisse Jugendlicher nicht vergessen werden, meint Dominik Görlach, der sich mit fünf Freunden am Forum beteiligte. Ihre Idee: „Ein Park für Scooter, Dirt Bikes und andere Trendsportarten oder ein überdachter Platz mit Rampen und weiteren Elementen“, so der 17-Jährige. Der Skatepark im Volksstadion sei längst in die Jahre gekommen und dafür nicht geeignet. Streetworkerin Dorit Weidemann unterstützt das Anliegen: „Es gibt sehr viele Jugendliche, die diesen neuen Trendsportarten nachgehen, aber keine Möglichkeit haben, sie auszuüben und öffentlich zu zeigen.“

 

ostsee-zeitung.de vom 30.11.2018, Petra Hase

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