Schulen, Parks, Radwege: Hier soll mehr Platz für den Sport in Berlin Pankow entstehen

Ein Artikel von Christian Hönicke für den Tagesspiegel:

Schulen, Parks, Radwege: Hier soll mehr Platz für Sport entstehen. Pankow braucht deutlich mehr Platz für Sport. Der soll durch Mitnutzung von Schulsportanlagen und die Umgestaltung von klassischen Sportstätten und öffentlichen Parks entstehen – und auch durch viele neue Radwege. Diese Kernbotschaften stecken in der Pilotstudie zur Sportentwicklungsplanung Pankows. Sie wurde vom Bezirksamt in Auftrag gegeben und am Mittwoch veröffentlicht.

Dafür wurde zunächst das Sportverhalten von 9000 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern Pankows abgefragt. Zudem wurden alle Sportvereine, Schulen und Kindertagesstätten in die Analyse einbezogen. Durchgeführt hat die Studie das Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam. „Auf Stadtbezirksebene ist dies eine Pilotstudie,“ erläutert Prof. Dr. Michael Barsuhn vom INSPO. [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Die Verhaltensstudie soll nun die Sportentwicklungsplanung für den einwohnerstärksten Berliner Bezirk maßgeblich beeinflussen. Hier die Kernaussagen:

  • Pankowerinnen und Pankower sind besonders sportlich. 83% sind in ihrer Freizeit in irgendeiner Form sport- oder bewegungsaktiv (Bundesdurchschnitt: 80%.) Allerdings erreichen nur 46 Prozent der Pankower Bevölkerung bei ihren Sportaktivitäten auch jene „gesundheitsrelevanten Zeit- und Belastungsumfänge“, die von der World Health Organisation (WHO) empfohlen werden (150 Minuten schweißtreibender Sport pro Woche). „Hier besteht also noch Entwicklungspotential, um durch verbesserte Angebote und Infrastruktur positiv Einfluss auf das Sportverhalten zu nehmen.“
  • Innenstädter sind sportlicher. „Die Bevölkerung im stark verdichteten urban geprägten Prenzlauer Berg ist wesentlich aktiver als in Weißensee oder Buch“, so die Studie. Auf Basis der Studie könne man „kleinräumig intervenieren“ und in besonders inaktiven Ortsteilen mehr Angebote schaffen.
  • Pankows Sportvereine wachsen. Die Zuwachsrate an Mitgliedern über die letzten zehn Jahre liegt mit 44% deutlich über dem Berliner Durchschnitt (32%).
  • In ganz Pankow fehlen Sportanlagen – sowohl für den Schul- als auch für Vereins- und Individualsport. Das ist das größte Problem, und hier müsse dringend nachgebessert werden, fordert die Studie. „Städte müssen Raum für Sport und Bewegung zur Verfügung stellen, sonst haben sie irgendwann keine gesunde Bevölkerung mehr“, sagt Barsuhn. „Die Wohnortnähe ist dabei das entscheidende Kriterium.“
  • Schul- und Vereinssport sollen daher zusammengedacht werden: „Ganz entscheidend wird es sein, bei zukünftigen Schulbauten, den Vereinssport stärker mitzudenken und dafür Flächen zu sichern.“ Schulsport sei kommunale Pflichtaufgabe, der Vereinssport könne davon als „Mitnutzer“ der Anlagen profitieren. Bei jeder weiterführenden Schule solle etwa ein Großspielfeld mitgeplant werden, dass auch für den Vereinssport (z. B. Fußball) genutzt werden könne. „Gerade in den wachsenden Städten haben wir steigende Bedarfe“, sagt Barsuhn. „Das betrifft den Sport, aber auch den Schulbereich. Eine Quintessenz der Studie ist, beides zusammenzudenken.“
  • Sportgelände müssen offener und multifunktionaler werden. Abgeschlossene Vereinsgelände gehören der Vergangenheit an. „Ein Hauptwunsch der Pankowerinnen und Pankower ist, die Sportanlagen für die Allgemeinheit zu öffnen“, sagt Barsuhn. Die Anlagen sollten daher künftig so umgestaltet und erweitert werden, dass auch diese auch durch die Anwohnerschaft mitgenutzt werden können, „beispielsweise durch Outdoor-Fitness-Geräte wie Calisthenics-Anlagen und Bewegungsparcours“, so die Studie.
    Selbst die Pankower Sportvereine würden dafür mehrheitlich für diese Öffnung plädieren: „Die Vereine stellen sich damit sehr modern und offen auf und unterstützen einen vorrangigen Wunsch der Pankower Bevölkerung.“
  • Die Bedeutung des öffentlichen Raums für Sport wächst. Über die Hälfte aller Sport- und Bewegungsaktivitäten finden auf so genannten „Sportgelegenheiten“ statt. Das sind städtische Räume wie Radwege, öffentliche Plätze oder Grünanlagen, die eigentlich nicht primär für sportliche Nutzung konzipiert wurden. „Sport und Stadtentwicklung müssen daher künftig zusammengedacht werden“, sagt Barsuhn – auch etwa bei Wohnungsbauvorhaben.
  • Grünanlagen und Parks sollen Sportparks werden. Parks sind zur Erholung da, doch der Erholungsbegriff habe sich erweitert, sagt Barsuhn. „Im Park ein Buch lesen und entspannen, das ist die eine Seite. Die andere ist Bewegung, auch Sport, das ist ja auch klar eine Erholungsfunktion.“ Dazu brauche man neben klassischen Sport-  auch die Grünanlagen. „In 20 bis 30 Jahren werden wir in deutschen Großstädten Sport- und Bewegungsparks haben“, sagt Barsuhn. „Das können öffentliche Parks sein, aber auch umgestaltete Sportanlagen.“ Es müsse das Ziel sein, in jedem Bezirk einen solchen Sport- und Bewegungspark zu qualifizieren. In Grünanlagen müsse es weiter „ausgewiesene Ruhezonen“ geben, sagt Barsuhn, „aber andere Bereiche, in denen bewusst die Möglichkeit zur bewegungsaktiven Erholung geschaffen wird. Das ist ein zentraler Auftrag an alle Großstädte.“
  • Pankow braucht mehr Radwege. Das Radfahren nehme im Berlin-Vergleich in Pankow „eine exponierte Stellung bei der Bevölkerung“ ein. „Investitionen in Radinfrastruktur sind daher wahnsinnig wichtig für den Bezirk“, so Barsuhn.

Und was folgt nun konkret daraus? „Wir greifen uns auf Basis der Studie bestimmte Sport- und Grünanlagen heraus und schauen, wie man dort mit Maßnahmen Sport ermöglichen kann“, sagt Barsuhn. Zunächst werden konkret drei große Sportanlagen im Bezirk analysiert, inwiefern sie deutlich multifunktionaler für die Bevölkerung umgestaltet werden können. „Das sind das Stadion Buschallee, die Nordendarena und das Kissingenstadion“, sagt Barsuhn. Bis 2022 sollen hier konzeptionelle Anregungen für eine Umgestaltung erarbeitet werden.

Auch öffentliche Parks und Grünanlagen werden im Hinblick auf Sportentwicklungspotenziale untersucht. Welche genau, werde gerade erarbeitet. „Hierzu befinden wir uns gegenwärtig im Austausch mit der Bezirksverwaltung“, sagt Barsuhn. Die weiteren Untersuchungen, ob und wie Parks entsprechend gestaltet werden können, werden von der Senatsportverwaltung finanziert.


Dieser Artikel ist unter dem Titel „Sport“ im Pankow Newsletter des Tagesspiegels am 15.04.2021 erschienen, Autor: Christian Hönicke (Quelle: hier).

Weitere Artikel zur Pankower Sportentwicklungsplanung:

Neue Studie: Pankower nutzen die Stadt als Sportplatz (Artikel vom 15.04.2021, erschienen in der „Berliner Morgenpost“, Autor: Thomas Schubert, Link hier)

Beitragsbild: Spiske, Markus (2021) freie Bildquelle auf Unsplash.com. Online verfügbar unter: https://unsplash.com/photos/npxXWgQ33ZQ.